Zum Nachfahren von GPX-Tracks nehme ich ein altes Smartphone mit einer Wanderkarten-App. Geht ganz gut, aber die Tücke liegt im Detail, wie ich finde.
Zur Hardware:
- Ich nehme ein iPhone SE 2nd Edition (ohne besonderen Grund - das hatte ich halt übrig).
- Die Halterung habe ich aus TPU-Material (so eine Art Gummi) selbst gedruckt (hier: cad.onshape.com...b45eb4823ed49b07c7bf). Ringsherum ist es ziemlich dick eingepolstert, aber das Display bleibt natürlich ungeschützt. Deswegen habe ich das Handy zwischen den Lenkerböcken (statt Prallschutz) platziert, möglichst tief und recht steil (siehe Bilder). So scheint es mir am besten geschützt. Aber letztlich sind insbesondere Höhe und Winkel ein Kompromiss aus Lesbarkeit und Sicherheit.
- Zur Bedienung mit Handschuhen habe ich einen kapazitiven Stift an einer Schnur hinein konstruiert (diese Art: amzn.eu/d/0bAQHdjC). Um mal kurz die Karte zu verschieben oder zu vergrößern/verkleinern geht das ganz gut. Bei komplizierteren Navigationsvorhaben muss man halt die Handschuhe ausziehen.
- Die Stromversorgung habe ich über ein Kabel mit Winkelstecker realisiert, die Kabelführung ist in den Halter hinein konstruiert. Drahtlos würde auch gehen, dann müsste man eine Ladematte einbauen.
Zur Software:
Als Software geht natürlich jede Wanderkarten-App, die GPX-Tracks importieren kann. Man kann auch mehrere parallel benutzen, ich nehme am liebsten eine App namens „Maps 3D“ (
www.movingworld.de/de/index.html - leider nur iOS).
Weshalb?
- Man kann bei dieser App +/- -Tasten für den Zoom einblenden. Das ist für die Stiftbedienung gut.
- Der GPX-Track lässt sich mit einer gewissen Transparenz einblenden, so dass die Karte darunter sichtbar bleibt.
- Die App ermöglicht einen „Overzoom“. D.h. in der letzten Zoomstufe wird die Karte zusätzlich auf Pixel-, statt auf Vektorbasis vergrößert. Wenn man z.B. einen Namen schlecht lesen kann, wird also tatsächlich auch die Schrift größer. Zumindest ein bisschen.
- Es sind verschiedene Karten verfügbar (glaube fünf, auch OSM), so dass man seine Lieblingskarten verwenden kann. Vor allem kann man sicherstellen, dass es für die Karte auch eine Legende gibt. Die öffne ich gleich in einem separaten Browser-Tab (bzw. habe den Bookmark auf dem Homescreen gespeichert) und kann so recht unkompliziert mal was nachschauen. Ich finde, bei Online-Kartenmaterial werden die Legenden oft sträflich vernachlässigt oder sind super-unpraktisch versteckt.
- Es lässt sich dauerhaft ein Maßstab (Entfernung) einblenden. Finde ich praktisch.
Der Rest ist bei allen Wander-Apps mehr oder weniger gleich, glaube ich: On- und Offline-Karten, Auto-Zentrierung der Karte, Auto-Ausrichtung in Fahrtrichtung, 3D-Darstellung (für den Überblick), 2D-Darstellung (für die Navigation), Tourenaufzeichnung, Tacho etc. pp.
Achso … eins noch: Der Import von GPX-Tracks ist bei „Maps 3D“ kostenlos, ebenso wie die App ohne Abo oder Premium-Getue nutzbar ist. Gratis ist sie auch noch, wenn ich mich recht erinnere.
System-Einstellungen:
Zuletzt habe ich die Einstellungen vom Smartphone noch optimiert:
- Alle unnötigen Apps raus / alle Benachrichtigungen ausgeschaltet
- Entsperrcode und Biometrie ausgeschaltet
- Display-Sperre auf „nie“
- Drehsperre: ein
- Display-Helligkeit: volle Lotte
- Schriftgröße in den Systemeinstellungen angepasst (etwas größer)
- Kontrollzentrum auf das Nötigste reduziert (Stromsparmodus, Helligkeit, Schriftgröße, Zoom)
- Für Regen: Touch-Sperre vorbereitet (unter Einstellungen / Bedienungshilfen / Geführter Zugriff)
Letzteres sorgt dafür, dass das Handy bei Regen nicht verrückt spielt. D.h. das Handy bleibt zwar eingeschaltet und die App läuft im Vordergrund, aber die Touchsteuerung ist für einen definierten Bereich (bei mir: der gesamte Bildschirm!) gesperrt. Um das Handy zu bedienen, muss man dann (beim SE) erst 3x den Homebutton drücken und einen Code eingeben. Das ist zwar umständlich … aber wenn’s regnet ist das auch schon wurscht. Immerhin kommt man heim.
Das (subjektiv) Wichtigste zum Schluss: Lesbarkeit
Ich bin Brillenträger (kurzsichtig) und trage beim Moppetieren Kontaktlinsen - mit dem Effekt, dass ich dann total weitsichtig werde und das Display nicht mehr gut lesen kann. Musste deswegen auch schon mit Brille unter der Brille fahren, was ich gar nicht mag. Dank dieses Threads
www.betabikes.d...nena/al/11988-brille habe ich aber auch dafür eine gute Lösung gefunden! Wer lesefaul ist: Die Zauberworte lauten „bifokale Arbeitsschutzbrille“ und „multifokale Kontaktlinsen“.